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Die neue Kriegsschulddebatte

Nicht nur Schall und Rauch.  Die Sprache der Begriffe und Bilder vom Ersten Weltkrieg

von Kurt Pätzold, aus: neues deutschland vom 26.07.2014


Der Begriff »Weltkrieg« ist keine nachträgliche Kennzeichnung für jenen Krieg, der am 28. Juli 1914 mit dem Angriff der K. u. K-Monarchie gegen das Königreich Serbien begann, sich dann durch den Kriegseintritt der britischen Dominien Australien und Kanada, Japans und des Osmanischen Reiches noch 1914 und der USA 1917 von einem europäischen zu einem erdballweiten Krieg ausweitete.

Das Wort »Weltkrieg« wurde warnend bereits mehr als ein Vierteljahrhundert vor dessen Beginn und von nach ihrer Gesinnung und ihrer Rolle in der Geschichte so verschiedenen Männern wie Friedrich Engels und Helmuth Graf von Moltke, dem vormaligen Generalstabchef der preußisch-deutschen Armeen, benutzt.

Mehr als ein halbes Jahrhundert nach der sog. Fischer-Kontroverse in der BRD nimmt die revisionistische Diskussion über den Ersten Weltkrieg Fahrt auf.  Versuch einer vorläufigen Bestandsaufnahme

nach "junge welt" vom 03.04.2014

Imanuel Geiss, in jungen Jahren einer der engsten Mitarbeiter des Hamburger Historikers Fritz Fischer und nach 1980 – prominentes Exempel der konservativen Trendwende in den Geisteswissenschaften der BRD – glücklich zur Totalitarismustheorie bekehrt, hatte vor über zehn Jahren eine Idee. Fischer, so teilte er einem Gesprächspartner mit, habe eigentlich »ganz persönlich für sich das Dritte Reich durch seine wissenschaftlichen Arbeiten bewältigen« wollen. Diese recht eigentümliche Erledigung eines wissenschaftlichen Lebenswerks wurde zwischenzeitlich mehrfach dankbar aufgegriffen. Auch Christopher Clark, dessen Arbeit über die Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs aktuell in zwölfter Auflage vorliegt, hat seinen deutschen Lesern, deren Mehrheit in dem Buch doch vor allem einen Anti-Fischer zu finden hoffte, nicht wesentlich mehr mitzuteilen.

Von Sinn und Zweck einer Revision: Warum mit Christopher Clarks Band zum Ersten Weltkrieg, "Die Schlafwandler", an deutscher Geschichte geputzt wird

http://www.ag-friedensforschung.de/themen/1wk/clark.html

Ultrarechte Kreise in Deutschland sehen in der Debatte um die Schuld am Kriegsbeginn 1914 neue Chancen, auch die deutsche Alleinschuld am Zweiten Weltkrieg in Frage zu stellen.

Nach einem Bericht in "german-foreign-policy" vom 17.02. gibt u.a. auch der "Spiegel" der Debatte eine Bühne.

gfp vom 17.02.2014

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