
Die deutsche IALANA hat zusammen mit der Vereinigung deutscher Wissenschaftler (VDW) den Whistleblower-Preis gestiftet. Er wird vergeben an Persönlichkeiten, die – häufig unter Inkaufnahme beträchtlicher Risiken für Arbeitsplatz und Karriere – Missstände aufdecken und nach außen bekannt machen, die ihnen in ihrer dienstlichen oder amtlichen Tätigkeit bekannt geworden sind.
In einem Beitrag von September 2011 stellt Bernd Hahnfeld zusammenfassend die umstrittenen Fragen des Whistleblowing in der BRD dar und würdigt die bisherigen Preisträger aus den Jahren 1999 - 2011.
Die deutsche IALANA hat zusammen mit der Vereinigung deutscher Wissenschaftler (VDW) den Whistleblower-Preis gestiftet. Er wird vergeben an Persönlichkeiten, die – häufig unter Inkaufnahme beträchtlicher Risiken für Arbeitsplatz und Karriere – Missstände aufdecken und nach außen bekannt machen, die ihnen in ihrer dienstlichen oder amtlichen Tätigkeit bekannt geworden sind.
Die regelmäßige Verleihung des Whistleblower-Preises soll einen Beitrag zur Veränderung der oben von Dr. Jürgen Kühling so zutreffend geschilderten gesellschaftlichen und rechtlichen Situtuation des Whistleblowers leisten.
Mit dem Preis sollen Persönlichkeiten geehrt werden, die in ihrem Arbeitsumfeld oder Wirkungskreis schwerwiegende, mit erheblichen Risiken oder Gefahren für Mensch und Gesellschaft, Umwelt oder Frieden verbundene Missstände aufgedeckt haben.
Mit der Preisverleihung und ihrer anschließenden Dokumentation soll nicht nur einer herausragenden Persönlichkeit und ihrem beispielhaften Verhalten ein kleines, dauerhaftes Denkmal gesetzt werden. Von besonderem Interesse ist auch die Frage, was an dem Fall verallgemeinerungsfähig ist und was sich daraus für künftige Konfliktlagen dieser Art exemplarisch lernen lässt.
Uns geht es darum, eine möglichst breite gesellschaftliche Diskussion darüber anstoßen zu helfen, wie wichtig Whistleblower sind. Ihre Kenntnisse als Insider oder ExpertInnen und ihre uneigennützige mutige Bereitschaft, Alarm zu schlagen, stellen häufig die einzige Möglichkeit dar, in staatlichen Bürokratien, in der Wirtschaft, in Forschungs- und Entwicklungsabteilungen, aber auch in den internationalen Beziehungen grobe Missstände aufzudecken.
Die Erfahrung zeigt: Whistleblower riskieren viel. Ihre berufliche Karriere kann erheblich beeinträchtigt werden. Nicht selten geraten sie in schwere Existenzkrisen. Davor müssen sie besser geschützt werden ? rechtlich, aber auch durch eine entsprechende Infrastruktur in den Betrieben, Forschungseinrichtungen und Verwaltungen. Dazu gehören insbesondere geeignete Anlaufstellen (Hotline, Ombudsman), die Erarbeitung und Umsetzung von Ethik-Codices sowie die konkrete Bereitschaft, solche uneigennützigen »ethischen Dissidenten« vom Odium des Netzbeschmutzers oder gar Verräters zu befreien. Wichtig sind auch Journalistinnen und Journalisten, die über solche Fälle berichten, Whistleblower zu Wort kommen lassen, Verantwortliche zu Stellungnahmen drängen und kritisch nachfragen.
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Mit dem Whistleblower-Preis werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, deren Verhalten (»Whistleblowing«) folgende Kriterien erfüllt:
- Brisante Enthüllung (»reveiling wrongdoing ?«)
Ein/e Whistleblower/in deckt in seinem Arbeitsumfeld oder Wirkungskreis gravierendes Fehlverhalten, schwerwiegende Missstände oder Fehlentwicklungen auf, die mit erheblichen Gefahren oder Risiken für Leben, Gesundheit, die nachhaltige Sicherung und Entwicklung der Ökosysteme, die Demokratie oder das friedliche Zusammenleben der Menschen verbunden sind oder jedenfalls verbunden sein können.Sein/ihr Verhalten kann auch darin bestehen, dass er/sie eine (weitere) Mitwirkung oder Mitarbeit an dem in Rede stehenden Projekt oder Vorhaben, zu der er/sie vertraglich oder gesetzlich an sich verpflichtet ist, ablehnt und dadurch den Sachverhalt öffentlich macht.
- Alarmschlagen (»going outside«)
Ein solches Alarmschlagen erfolgt im Regelfall zunächst intern, also im persönlichen oder beruflichen Wirkungskreis des Whistleblowers (»internes Whistleblowing«). Wird sein internes Alarmschlagen unterdrückt und/oder bleibt es wirkungslos, wendet er sich an Außenstehende oder an die Öffentlichkeit, namentlich an Aufsichtsbehörden, Ombudsleute, Abgeordnete, Berufsverbände/Gewerkschaften, Journalisten und Massenmedien etc (»externes Whistleblowing«).
- Primär uneigennützige Motive (»serving the public interest ?«)
Das Alarmschlagen erfolgt nicht aus Eigennutz, sondern primär aus Motiven, die am Schutz gewichtiger Rechtsgüter (Leben, Gesundheit, friedliches Zusammenleben der Menschen, Demokratie, nachhaltige Sicherung und Entwicklung der Ökosysteme, etc.) orientiert sind. Der/die Betreffende erstrebt und erreicht mit seinem Whistleblowing keine wirtschaftlichen Vorteile für sich oder ihm/ihr Nahestehende.
- Inkaufnahme schwerwiegender Nachteile (»risking retaliation ?«)
Dabei nimmt der/die Whistleblower/in in Kauf, dass sein/ihr Alarmschlagen mit erheblichen Risiken und/oder Nachteilen für die eigene berufliche Karriere oder die persönliche Existenz (oder die von Angehörigen etc) verbunden ist.
Bekannte Whistleblower sind Daniel Ellsberg, der mit den "Pentagon-Papers" vertrauliche Informationen über den Vietnam-Krieg publiziert hat, oder Mordechai Vanunu, der verriet, da.ss Israel Atomwaffen produziert.
Der Preis wird alle 2 Jahre vergeben, er ist mit 3000 Euro dotiert.
Der Whistleblowerpreis-Jury von VDW und IALANA gehören an: Dr. Peter Becker, Dr. Dieter Deiseroth, Dipl.-Pol. Annegret Falter, RA Björn Rohde-Liebenau und Prof. Dr. Ulrike Wendeling-Schröder Der Whistleblower-Preis wird seit 1999 vergeben von der „Vereinigung Deutscher Wissenschaftler“ (VDW) und der Deutschen Sektion der Juristenvereinigung IALANA
Preisträger 2011 sind Anonymus (unbekannter Informant von Wikileaks) und der Atomphysiker Dr. Rainer Moormann (s.u.).
Preisträger 2009 waren die hessischen Steuerfahnder Schmenger und Wehrheim, die Steuerhinterziehungen riesigen Umfangs aufdeckten, ewa bei der Commerzbank. Der "Dank" dafür war die Zerschlagung ihrer Arbeitsgruppe und – auf ihre Proteste – die Stigmatisierung als psychisch krank. Nachfolgend finden Sie weitere Informationen zu diesen und den früheren Preisträgern.
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1999 erhielt der ehemalige Kapitän der sowjetischen Marine Alexander Nikitin den Preis für seine Veröffentlichungen, in denen er unter anderem auf verwahrloste Atommüll-Plätze und den desolaten Zustand der russischen Nordmeerflotte aufmerksam machte.
Er wurde verhaftet, mit Prozessen überzogen und erst endgültig freigesprochen, nachdem der Untergang der Kursk seine Warnungen auf grausame Art bestätigt hatte.